“Die Känguru Chroniken” – Film-Kritik

Das kommunistische Känguru und der Kleinkünstler Marc-Uwe in ihrer Wohnung beim Pfannkuchen backen.

Foto: X Verleih

Dass deutsche Komödien im internationalen Vergleich meist nicht standhalten, musste Til Schweiger erst im letzten Jahr mit seiner Demenz-Geschichte “Honig im Kopf” und einer gescheiterten Neuauflage in den Staaten schmerzlich erfahren. Das mag nicht zuletzt daran liegen, dass sich die deutschen Komödien wenig trauen. Außerhalb von Beziehungs-Kisten und Buddy-Movie mit Schweighöfer läuft einfach nicht viel. Marc Uwe Kling ist bereits seit Jahren gefeierter Autor mit seinen “Känguru Chroniken”. Und scherzte bereits im zweiten von vier Büchern, die Rechte an HBO verkaufen zu wollen.
Wahrscheinlich war zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht damit zu rechnen, dass das kommunistische Känguru tatsächlich einmal eine Leinwandadaption erhalten sollte.

Die Känguru Chroniken als Film

Die ist nun erschienen und zeigt, wie erfrischend und jung deutsches Kino sein könnte. Der Film erlaubt sich dabei, wie auch im Buch, die vierte Wand zu durchbrechen. Und startet daher auch mit der ausschweifenden Einleitung von Erzähler und dem Känguru, die sich allerdings zerstreiten, bis der Protagonist (also Buchautor Marc Uwe Kling, gespielt von Dimitrij Schaad) entnervt mit seiner Fernbedienung die Audiokommentare deaktiviert. Dabei stehen die ersten Szenen nur exemplarisch für viele überaus unterhaltsame und kreative Ideen, die sich durch den gesamten Film ziehen. Die Handlung beginnt, wie auch das erste Buch, mit dem Kleinkünstler Marc-Uwe Kling, in dessen Wohnung eines Tages ein kommunistsches Känguru einzieht. Die sich daraus entspinnenden Verstrickungen sind so im Buch nicht vorgekommen, aber eine Art Komposition aus mehreren der episodisch gehaltenen Kapitel. Rechtspopulist Jörn Dwigs, der bereits im zweiten Teil der Bücher eine tragende Rolle gespielt hat, betätigt sich im Film als Großinvestor. Er will den an den Görlitzer Park angrenzenden Kiez der Känguru-Künstler-WG dem Erdboden gleichmachen. Die Bewohner des Hauses wehren sich mit allen Kräften und lassen nebenher natürlich kein Berlin-Klischee aus.

Kein “Deutscher Ted”

Allgemein kann der Humor trotz Buchvorlage nicht immer ganz an die Kurzgeschichten heranreichen, was vor allem an der Übernahme von Witzen ohne größeren Kontext liegen mag. Auch ist es natürlich unmöglich, den Inhalt von vier Büchern in einen Film zu quetschen. Aber diesen Vergleich wollen wir hier gar nicht anstellen. Denn in der Quintessenz handelt es sich nicht nur um eine gute Filmumsetzung. Im Vorfeld war einmal der Vergleich mit “Ted”, dem obszönen Plüschbären-Streifen aufgestellt worden. Volkommen zu Unrecht, nicht nur der Trashfaktor des amerikanischen Machwerks ist erheblich höher, das Känguru setzt auch ein wenig mehr Niveau voraus.

Ein Fest (nicht nur) für Fans der Buchvorlage

Selten war eine deutsche Komödie so frei von Fremdscham und Blindgänger-Gags. Die Macher transportieren die Atmosphäre der Bücher gekonnt auf die Leinwand und brillieren vor allem in Sachen Detailverliebtheit. So uriniert beispielsweise ein Neonazi auf den Teppich der Kleinkünstler-Känguru-WG. Natürlich mit dem Zusatz, dass dieser das Zimmer erst gemütlich gemacht habe. The Big Lebowski Fans gefällt das. Auch Details wie “Grafitti-Dialoge” aus der Buchvorlage schaffen es zumindest im Hintergrund in den Film. Keine Minute, in der die Macher nicht einen Promi, Insider oder zumindest Seitenhieb versteckt hätten. Außerdem sind die Special Effects wirklich auf einem hohen Niveau, was auch nicht immer selbstverständlich ist. Die Animation des Känguru wirkt in keiner noch so hektischen Szene deplaziert oder unrealistisch. Genau wie die Lovestory, die sich sehr hintergründig abspielt und eher der Charakterisierung von Marc Uwe Kling dient.

Fazit

Ein, zwei deplatzierte Slapstick-Einlagen, und die Tatsache, dass Polizisten in deutschen Komödien selten mehr als zwanzig IQ-Punkte haben, kann man dem Film also ganz gut verzeihen. Regisseur Dani Levy liefert nicht nur eine würdige Buchverfilmung. Sondern eine junge, charmante und kurzweilige Komödie, die beweist, dass deutsches Comedykino auch ohne vordergründige Lovestory und Tierohren-Titel für eine mittdreißiger Zielgruppe auskommt.
Bleibt zu hoffen, dass uns der Streifen als eine Art “kreativer Urknall” in Erinnerung bleiben wird.

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Känguru Chroniken Film Kritik

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