9 Filme zum Thema Musik auf dem DOK.fest 2018

Film über einen Münchner Musiker

Foto: DOK.fest

Die 33. Ausgabe des Dokumentarfilmfestivals zeigt vom 02. bis zum 13. Mai an 19 Veranstaltungsorten, 154 Filme aus 50 Ländern. Das DOK.fest bietet in diesem Jahr wieder ein anspruchsvolles und vielseitiges Programm. Als Gastland fungieren in diesem Jahr die Vereinigten Staaten von Amerika und die Themenreihe DOK.female hinterfragt das Rollenbild der Frau, um nur zwei Themen zu nennen. In diesem Artikel möchten wir uns auf den Themenbereich Musik konzentrieren und stellen Euch neun interessante Filme zu diesem Thema vor. Mit dabei ist u.a. der Film von Mika Gustafson über eine schwedische Rapperin, die sich als Ikone überfordert fühlte und sich aus der Öffentlichkeit zurückzog. Oder die Dokumentation von Lukas von Stein über einen jungen Musiker aus München, der bedingungslos nach Perfektion strebt. Und dann gibt es noch Filme über einen tunesischen Musiker und Volkshelden, über den Erfinder des Bossa Nova und über einen Palästinenser, der in den USA aufgewachsen ist und nun in Israel seine musikalische und persönliche Identität sucht. Insgesamt neun außergewöhnliche Dokumentarfilme zum Thema Musik.

Filmtipp 1: Silvana

von Mika Gustafson / Olivia Kastebring und Christina Tsiobanelis

„My music is fucking important. It’s for real and it has a message.“ Silvana Imam ist eine Wucht. Mit ihren kompromisslosen Texten kämpft die lesbische, feministische, anti-rassistische Punk-Rapperin gegen jedwede Form der Unterdrückung und wurde so zur Frontfigur einer neuen politischen Jugendbewegung in Schweden. Der Film folgt ihr über einen Zeitraum von mehreren Jahren und zeigt ihren Aufstieg von der Underground-Künstlerin zum Star, ihre ersten großen ChartErfolge und den Beginn ihrer Liebesbeziehung zur schwedischen PopKünstlerin Beatrice Eli. Als ihr der Ruhm und ihre Rolle als Ikone immer mehr zusetzen, zieht sich Silvana 2016 aus der Öffentlichkeit zurück – nur um kurze Zeit später einen fulminanten Neustart zu wagen. Ein intimes und mitreißendes Porträt.  

Donnerstag, 03.05.2018, 21:30, Deutsches Theater
Montag, 07.05.2018, 22:00, City 2

Mittwoch, 09.05.2018, 19:00, Atelier  

Filmtipp 2: For In My Way It Lies

von Lukas von Stein

Film über einen Münchner Musiker

Foto: DOK.fest

Der Mythos des musikalischen Genies lebt – genauso wie der Geist des Blues. Wir begegnen ihm in der Gestalt eines gut aussehenden jungen Mannes, der mit einer großen Stimme gesegnet ist. Jesper Munk ist gleichermaßen begabt wie vom bedingungslosen Streben nach Perfektion und von Selbstzweifeln gequält. Jesper Munk lebt nur für die Musik und der Weg zu seiner neuen Platte ist kein einfacher. Über ein Jahr lang begleitet Lukas von Stein den jungen Münchner durch alle Hoch und Tiefs seines Musikerlebens. Das intensive Porträt eines Besessenen zwischen der Intimität im Studio und der Performance auf der großen Bühne. „It’s not getting easier“, erkennt er in einem seiner neuen Songs, „Slow down for me“ bittet er in einem anderen. Interessant für Jesper Munk Fans ist auch unser Interview.

Samstag, 05.05.2018, 22:00, Deutsches Theater
Mittwoch, 09.05.2018, 21:30, City 2
Freitag, 11.05.2018, 19:30, Atelier 

Samstag, 12.05.2018, 20:30, Neues Maxim

Filmtipp 3: Shut Up And Play The Piano

von Philipp Jedicke

„Haben Sie schon über den Tod nachgedacht?” fragt Sibylle Berg unvermittelt den Performer und Entertainer Chilly Gonzales im Interview, das sich wie ein roter Faden durch SHUT UP AND PLAY THE PIANO zieht. Das hat er. Denn als Teil seiner Bühnenshow wird bereits ein junges, weibliches Alter Ego zum Duett auf die Bühne gebeten. Die Kunstfigur des „worst MC“ im Bademantel wird so unsterblich. Chilly Gonzales ist die Bühnenmaske von Jason Beck. Der kanadische Musiker, der einst als Underground Performance Artist mit Peaches auftrat, füllt inzwischen mit etablierten Orchestern große Konzertsäle. Er ist ein schwer zu fassendes Chamäleon; manche meinen, ein Genie. Philipp Jedicke präsentiert in seinem Debütfilm Musik, Leben und Image des komplexen Künstlers. 

Freitag, 04.05.2018, 21:30, City 2 

Sonntag, 06.05.2018, 20:00, Wannda Kulturfestival 

Freitag, 11.05.2018, 21:30, Hochschule für Fernsehen und Film

Filmtipp 4: Namrud (Troublemaker)

von Fernando Romero Forsthuber

„Is it our job to educate our occupiers?” Der israelische Palästinenser Jowan Safadi thematisiert mit seiner Musik Tabus: Atheismus, Homosexualität, arabisch-jüdischer Hass auf Araber. Er will einen Dialog anregen, den rigiden Status quo überwinden. Doch die auf Arabisch und Hebräisch gesungenen Lieder provozieren. Sein 15-jähriger Sohn kämpft derweil mit den Fäusten im Boxring. Er ist, in den USA aufgewachsen, neu in Israel, lebt nun bei seinem Vater und muss sich in seiner israelisch-palästinensischen Identität erst zurechtfinden. NAMRUD (TROUBLEMAKER) stellt einen außergewöhnlichen Musiker und seine Musik vor und bietet ungewöhnliche Einblicke in den palästinensischen Alltag in Israel. Idealistisch, kämpferisch und hoffnungsvoll. 

Donnerstag, 03.05.2018, 19:30, City 2
Samstag, 05.05.2018, 22:00, City 3
Mittwoch, 09.05.2018, 21:30, Hochschule für Fernsehen und Film 

Filmtipp 5: The Man Behind The Microphone

von Claire Belhassine

„Man sagt, seine Musik klänge nach Heimat. Das ist womöglich nicht ein Ort, an dem man lebt, sondern ein Ort, wo man verstanden wird und sich selbst wiederfindet.“ Hedi Jouini (1909–1990) schrieb über tausend Lieder, er trat in Filmen auf, stand mit Umm Kulthum auf der Bühne, galt als Playboy und tunesischer Superstar. Ein Staatsbegräbnis ehrte sein Vermächtnis. Doch für die in England aufgewachsene Enkelin war er nur der ferne Großvater. Jahre später entdeckt sie sein musikalisches Erbe und rekonstruiert mittels alter Fotos, Homevideos, Archivbilder und Interviews die ungewöhnliche jüdisch-muslimische Familiengeschichte zwischen deutscher Besatzungszeit, Unabhängigkeitskampf und Arabischem Frühling. Eine (nicht nur) musikalische Wiederentdeckung, die sich lohnt! 

Samstag, 05.05.2018, 19:30, City 2
Montag, 07.05.2018, 14:00, City 3  

Donnerstag, 10.05.2918, 16:00, Neues Maxim

Filmtipp 6: Reggae Boyz

von Till Schauder

Auf den Straßen von Kingston dreht sich einiges um Fußball – aber nicht alles: „Where I come from the cities are violent places“, erklärt die jamaikanische Fußballlegende Tuffy Anderson während der WMQualifikation. Die Armut ist groß, die Kriminalitätsrate hoch. Wie kann man diesem teuflischen Kreislauf entfliehen? Durch König Fußball: „Most people from the ghetto have to stick to football cuz football is one of the things that can take you out of it.” Till Schauders musikalische Ode an ein fußballverrücktes Land, in dem schon Bob Marley die gesellschaftliche Kraft des schönen Spiels besungen hat, besticht durch coole Protagonisten und jede Menge Rasta-Man-Sound, der sogar Winnie Schäfer zum Tanzen bringt. 

Samstag, 05.05.2018, 21:30, HFF – Audimax
Montag, 07.05.2018, 21:30, Hochschule für Fernsehen und Film
Samstag, 12.05.2018, 20:00, HFF – Kino 2

Filmtipp 7: Wo Bist Du, Joao Gilberto?

von Georges Gachot

Filmfest München

Foto: DOK.fest

„Er soll die Menschen so sehr hassen, dass er sie nicht ertragen kann. Er soll die Menschen so sehr lieben, dass er sie nicht ertragen kann.“ Das sagen seine Nachbarn in Rio de Janeiro über Joao Gilberto, den seit mehr als 30 Jahren aus der Öffentlichkeit verschwundenen Erfinder des Bossa Nova. Georges Gachot nimmt uns mit auf eine unterhaltsame und vielschichtige detektivische Spurensuche. Er trifft unter anderem die Ex-Frau von Gilberto, den Lieblingskoch, ehemalige Musikerkollegen und den anerkannt besten Imitator von dessen einzigartigem Gesang und Gitarrenspiel. Wer ist Joao Gilberto und wo ist er? „Wenn gar nichts klar ist, wenn einen nachts die Fragen nicht schlafen lassen, dann muss man raus, einen Flug nach Rio nehmen und sich auf die Suche nach Antworten machen.“ 

Samstag, 05.05.2018, 19:00, HFF – Audimax
Dienstag, 08.05.2018, 21:30, Hochschule für Fernsehen und Film
Donnerstag, 10.05.2018, 21:00, Rio 2 

Samstag, 12.05.2018, 16:00, Carl-Amery-Saal/Gasteig 

Filmtipp 8: Ethiopiques – Revolt Of The Soul

von Maciek Bochniak

Der Grundstein für die weltbekannte CD-Serie „Ethiopiques“ war gelegt. Vom Musikproduzent Amha Eshete in den 70er-Jahren aufgenommen, sollte es wegen des sozialistischen Derg Regimes bis 1997 dauern, bis die Platte neu herausgegeben werden und nach Europa gelangen konnte. Neben collageartigen Animationen und Archivmaterial kommen viele der bekannten Musiker in Interviews zu Wort. Ein groovender Must-SeeFilm für alle Jazz-Liebhaber und Kenner der Éthiopiques Serie! 

Freitag, 04.05.2018, 21:30, HFF – Kino 2
Dienstag, 08.05.2018, 21:30, Carl-Amery-Saal/Gasteig
Donnerstag, 10.05.2018, 12:00, Neues Maxim

Filmtipp 9: Die Seele Der Geige

von Benedikt Schulte

„Ich bekam zwei Jahre wirklich wunderbare Geigen zur Verfügung gestellt, aber es war nicht meine Stimme, es war nicht der Klang oder die Liebe meines Lebens, die ich da spielen durfte.“ Frank Peter Zimmermann musste sich von seiner großen Liebe, seiner Geige, trennen, als ihre Eigentümerin, eine Bank, aufgelöst wurde. Nun bekommt er sein Instrument wieder. Martin Schleske, Geigenbaumeister aus Landsberg am Lech, ist auf der Suche nach besonderem Klangholz, denn er möchte eine einzigartige Geige bauen. Inspiriert wurde er dabei nicht von der Stradivari, sondern vom menschlichen Gesang. Das Instrument entsteht – dank Handwerk und Hightech. Ein fesselnder, hochästhetischer Film über das geheime Seelenleben der Musik

Sonntag, 06.05.2018, 20:00, Rio 1 

Donnerstag, 10.05.2018, 18:00, Carl-Amery-Saal/Gasteig

 

Wir wünschen Euch viel Spaß auf dem DOK.fest 2018 und freuen uns über Eure Kommentare und Empfehlungen zu den einzelnen Filmen.

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