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Impfaufruf der Popkultur

Der städtische „Sommer in der Stadt“ bringt ein buntes und diverses Open Air-Musikfestival auf verschiedene Bühnen in ganz München. Impfaufruf
Das Bild entstand auf der Pressekonferenz zu Sommer in der Stadt 2020 im Olympiastadium München | Foto: Sascha Schloifer
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Eine Ungleichbehandlung beim Restart-Konzept der bayerischen Politik lässt Kulturveranstaltende für Sommer-Open-Airs im Regen stehen. Bayerische Veranstalter*innen im Verband für Popkultur Bayern (VPBy) monieren dies und rufen Kulturbegeisterte daher auf, sich baldmöglichst registrieren und impfen zu lassen. Wenn, nicht die Politik ausgewogen handelt, dann sollten die Fans aktiv werden, um den Konzertsommer durch eine möglichst hohe Impfquote zu retten und zur Herdenimmunität beizutragen, so der Impfaufruf des VPBy. Der Slogan: “Ohne Euch bleibt’s still! Lasst Euch impfen”

Während laut VPBy beispielsweise in der Staatsoper bis zu 700 Besucher*innen in einem geschlossenen Raum möglich sein sollen, sind Open-Air-Veranstaltungen in eingezäunten Arealen auf 250 Besucher*innen begrenzt. Auf welchen wissenschaftlichen Erkenntnissen diese Trennung beruht, erläutern die beteiligten Ministerien bisher nicht. Der Verband hofft nicht, dass dieses Konzept auf Vorurteilen zwischen Hochkultur und Gemeinkultur basiert und stellt folgende Frage: Ist es wirklich realistisch, dass sich 500 getestete Menschen bei einer Freiluftaufführung des Kabarettisten Wolfgang Krebs vor einer Bühne weniger diszipliniert verhalten würden, als 700 Konzertbesucher*innen in der Staatsoper? Die Verhältnismäßigkeit ist hier laut VPBy nicht erkennbar.

Wenn im Moment 250 Besucher*innen das wissenschaftlich gegebene Maximum von Publikumsveranstaltungen darstellen sollten, dann soll es so sein – aber einheitlich für alle! Die jetzige Regelung treibt einen Keil zwischen die Kulturgenres. Außerdem werden die Erfahrungen aus 2020 bei der Gestaltung von Regularien unter freiem Himmel außer Acht gelassen, so der VPBy. Auch eine fehlende Konzeptkompetenz wird bemängelt.

Eines der VPBy-Mitgliedsfestivals hat seine 40.000 Fans befragt und 17.700 haben schriftlich geantwortet. Rund 80 Prozent davon würden sich sogar im Vorfeld bei einem, vom Veranstalter organisierten, Impftermin impfen lassen. Das die Impfbereitschaft sowie die Bereitschaft zum Einhalten der Hygienemaßnahmen bei den Musik- und Kulturbegeisterten sehr hoch ist, zeigte zudem die Studie von vollblut LiveMarketing. Open-Air-Konzerte brauchen längere Vorlaufzeit und Planungsvorgaben. Seit Monaten haben renommierte Veranstaltungspraktiker*innen der bayerischen Kulturpolitik den Dialog angeboten, um gemeinsam realistische Konzepte zu erarbeiten. Auch ein Pilotversuchskonzept mit exponierten Partner*innen wurde eingereicht. Das Kunstministerium war laut dem VPBy für einen konstruktiven Dialog bedauerlicherweise nicht zu gewinnen.

Im Januar sagte Kunstminister Bernd Sibler, er habe ein mit den anderen Bundesländern abgestimmtes fertiges Restart-Konzept in der Schublade. Der VPBy fragt sich, ob eine Lex-Hochkultur dieses Konzept ist. Die Vorlaufzeiten von Open-Air-Veranstaltungen schmelzen dahin. Liefert die Politik ein faires und ausgewogenes Konzept erst dann, wenn es für die tragfähige Umsetzung Herbst oder Winter wird, fragen sich viele Veranstalter*innen im Verband.

Daher richten der VPBy und mehrere Clubs und Festivals einen Impfaufruf an ihre Fans. So können Konzertbesucher*innen mit einer möglichst hohen Impfquote die Fakten einer Herdenimmunität mit unterstützen, um wieder tragfähige Veranstaltungen zu ermöglichen. Denn was die Kultur im Moment nicht braucht, sind Irrationalität und Bevorzugungen, sondern Lösungen für einen sicheren Neustart.

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