
The Sanctuary of Water, 2026
Konzipiert vom Künstler Tomás Saraceno in Zusammenarbeit mit den elf Indigenen Gemeinschaften des Red-Atacama-Netzwerks, Salinas Grandes, Nordargentinien. Mit großzügiger Unterstützung des Haus der Kunst München, der Aerocene Foundation, Studio Tomás Saraceno und vielen weiteren.
Courtesy: der Künstler, Red Atacama und die Aerocene Foundation, sowie die Galerien neugerriemschneider, Berlin, Tanya Bonakdar, Los Angeles, Pinksummer, Genua, Andersen’s, Kopenhagen und Ruth Benzacar, Buenos Aires.
© Foto: Studio Tomás Saraceno
Mit „Tomás Saraceno. Ancestral Futures“ zeigt das Haus der Kunst München ab dem 17. Juli 2026 eine Ausstellung, die Kunst, Architektur und Wissenschaft auf besondere Weise zusammenbringt. Saraceno gehört zu den Künstlern, die nicht nur Bilder oder Objekte schaffen, sondern ganze Denk- und Erfahrungsräume öffnen. In München wird daraus eine Schau, die das Gebäude selbst in einen Ort verwandelt, an dem sich Fragen nach Umwelt, Zusammenleben und Zukunft neu stellen.
Im Mittelpunkt stehen Saracenos zentrale Forschungsprojekte Aerocene und Arachnophilia. Beide stehen exemplarisch für seine Arbeit: Er denkt über Lebensformen, Atmosphären und Netzwerke nicht nur aus menschlicher Perspektive nach, sondern bezieht auch Tiere, Landschaften, Luft, Wasser und andere ökologische Zusammenhänge mit ein. Das Ergebnis ist keine klassische Ausstellung zum schnellen Durchgehen, sondern eine Einladung, anders hinzusehen und die eigene Wahrnehmung zu verlangsamen.
Besonders stark ist der aktuelle Bezug der neuen Auftragsarbeit, die gemeinsam mit Indigenen Gemeinschaften aus Las Salinas Grandes im Norden Argentiniens entwickelt wurde. Ausgangspunkt ist ihr anhaltender Widerstand gegen den Lithiumabbau und gegen die Gefährdung der Wasserkreisläufe in der Region. Damit rückt die Ausstellung ein Thema in den Fokus, das weit über den Ausstellungsraum hinausweist: die Frage, wem natürliche Ressourcen gehören, wie verletzlich ökologische Systeme sind und welche Stimmen in Zukunftsdebatten gehört werden müssen.
Im Haus der Kunst materialisieren sich diese Ideen in Luft-Skulpturen, Habitaten für verschiedene Spezies und Environments, die neue Formen der Aufmerksamkeit verlangen. Genau darin liegt die Stärke von Tomás Saracenos Arbeiten: Sie wollen nicht nur betrachtet, sondern körperlich, räumlich und gedanklich erlebt werden. Die Ausstellung macht spürbar, dass Koexistenz mehr ist als ein abstrakter Begriff. Sie zeigt, wie eng menschliches Leben mit anderen Wesen, Stoffen und Kreisläufen verbunden ist.
Für München ist diese Ausstellung auch deshalb spannend, weil sie ein international relevantes ökologisches und gesellschaftliches Thema mit einer starken sinnlichen Bildsprache verbindet. Wer sich für Gegenwartskunst interessiert, aber auch für Klima, Ressourcen und neue Formen des Zusammenlebens, dürfte hier einen Ausstellungsbesuch erleben, der lange nachwirkt. „Ancestral Futures“ verspricht keine einfachen Antworten, sondern einen offenen, poetischen und gleichzeitig politischen Erfahrungsraum.
Kuratiert wird die Ausstellung von Sarah Johanna Theurer und Andrea Lissoni. Zu sehen ist sie vom 17. Juli 2026 bis 7. Februar 2027 im Haus der Kunst München. Weitere aktuelle Ausstellungen findet ihr auf der Homepage.


