Literaturfest 2018: Schönes Babel. Europäische Lektüren

Ein Fest für Bücher

Ijoma Mangold und Catherine Millet auf dem Literaturfest München | Foto: Juliana Krohn

München feiert neuntes Literaturfest vom 14. November bis zum 2. Dezember 2018

München feiert das neunte Literaturfest: Für das Festival, das vom 14. November bis 2. Dezember stattfindet, haben über 80 internationale Autorinnen und Autoren ihre Teilnahme zugesagt. Büchner-Preisträger Jan Wagner ist in diesem Jahr für das Kuratorenprogramm forum:autoren verantwortlich, das er unter das Motto „Schönes Babel. Europäische Lektüren“ stellt. Zu den Gästen des Festivals gehören die aktuellen Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels Aleida und Jan Assmann, Maxim Biller, der Schotte John Burnside, Alex Capus, Aris Fioretos aus Schweden, Amelie Fried, die spanische Schriftstellerin Almudena Grandes, Hugo Hamilton aus Irland, Dörte Hansen, die Brecht-Literaturpreisträgerin Nino Haratischwili, die britische Schriftstellerin A.L. Kennedy, Navid Kermani, der Wissenschaftsjournalist und TV-Moderator Harald Lesch, Adolf Muschg, Edward St. Aubyn und Martin Walser, der chinesische Autor und Friedenspreisträger Liao Yiwu, Adam Zagajewski aus Polen und Serhij Zhadan aus der Ukraine, zudem die Kinder- und Jugendbuch-Autoren Kirsten Boie und Jonathan Stroud. Ihre Lesungen und Gespräche sind an verschiedenen Orten der Landeshauptstadt zu erleben, insbesondere im Literaturhaus München und dem Kulturzentrum Gasteig, zudem im Marstall, in der Akademie der Schönen Künste, im Volkstheater und Lyrik-Kabinett, im Club Milla und Ampere im Muffatwerk.

Zum Kuratorenprogramm forum:autoren (15.-23.11.) hat Jan Wagner Autorinnen und Autoren aus allen Himmelsrichtungen nach München eingeladen und möchte die Stärken Europas auch dank seiner literarischen Vielfalt und Schönheit der Sprachen in den Fokus rücken. Die Besucher dürfen sich auf Lesungen, Diskussionen, Lyrik-Nächte und kleine Konzerte freuen. Im Jahr vor dem Brexit lenkt der England-Kenner Jan Wagner ein besonderes Augenmerk auf die britischen Inseln mit Gästen aus England, Schottland und Irland. Darunter sind Lavinia Greenlaw, Schriftstellerin und Künstlerin aus London, Hugo Hamilton, A.L. Kennedy, John Burnside sowie der Autor und Übersetzer David Constantine. Ein weiterer Fokus liegt auf der europäischen Lyrik, die beim forum:autoren als europäisches Sprachen-Konzert erklingen soll. Aus unterschiedlichen Sprachräumen, großen wie kleinen, darunter Irisch-Gälisch, Sorbisch, Ladinisch, treffen herausragende Dichterinnen und Dichter in München zusammen und lesen aus ihren Originalwerken: Erwartet werden die Tschechin Kateřina Rudčenková, der Slowene Aleš Šteger, Serhij Zhadan, poetischer Chronist der Geschehnisse in der Ostukraine, Georgi Gospodinov, der zu den meistübersetzten Literaten Bulgariens zählt, die Litauerin Agnė Žagrakalytė, der Brite Simon Armitage, Bela Chekurishvili aus Georgien und der Däne Morten Søndergaard. Auch die Kunst der Übersetzung bekommt beim forum:autoren eine Stimme: die Übersetzung von Sprachen wie auch von Literatur in Film, der Transfer über kulturelle, sprachliche und Genre-Grenzen hinweg. Zum Ausklang eines jeden forum:autoren-Tages treffen sich Publikum und Teilnehmer in der „Stählemühle Schnapsbar“ im Luitpoldblock, in der Jan Wagner unter dem Motto „Schönes Babel in der Schnapsbar“ Gäste aus Literatur, Musik und bildender Kunst in Dialog bringt.

Das Festprogramm des Literaturhauses ist bedeutenden Neuerscheinungen des Herbstes gewidmet und lädt zu einem Parcours durch verschiedene Länder und Nationen – Russland, Georgien, China, Argentinien und Deutschland: Nino Haratischwili ist dabei mit ihrem neuen Buch „Die Katze und der General“, das von den Abgründen und Trümmern des zerfallenden Sowjetreichs erzählt, María Cecilia Barbetta stellt ihren Roman „Nachtleuchten“ vor, eine Familiengeschichte vor dem Hintergrund des politischen Umsturzes in Argentinien. Maxim Biller kommt mit „Sechs Koffer“, der Geschichte einer russisch-jüdischen Familie auf der Flucht von Ost nach West und über die moderne, zerrissene Welt, in der fast niemand mehr dort zu Hause ist, wo er geboren und aufgewachsen ist. Friedenspreisträger Liao Yiwu und SZ-China-Korrespondent Kai Strittmatter diskutieren über die Zukunft der Demokratie in China. Die hierzulande geführte Debatte über das Wiedererstarken rechtsnationaler Bewegungen verdichten Annette Ramelsberger und Rainer Stadler in ihrem Buch „Der NSU-Prozess. Die Protokolle“. Die beiden Journalisten gehören zu den Wenigen, die Zutritt zum Gerichtssaal hatten und die Verhandlung vom ersten Tag an verfolgt haben. Neben den Lesungen und Gesprächen gehört zum Literaturhaus-Festprogramm erneut der Bazar „Andere Bücher braucht das Land“, bei dem unabhängige Verlage und das kreativ gestaltete Buch im Vordergrund stehen.

Kuratorin beim Literaturfest München

Doris Dörrie, Kuratorin des forum:autoren 2017 | Foto: Dieter Mayr

Die 59. Münchner Bücherschau präsentiert die gesamte Festivalzeit über 20.000 Neuerscheinungen im Kulturzentrum Gasteig. Hier können Bücher-Schätze aller Genres und für alle Generationen entdeckt werden. Kurator Thomas Kraft hat ein großes Spektrum an begleitenden Lesungen zusammengestellt und namhafte Autorinnen und Autoren eingeladen. Ein Themenschwerpunkt im Bereich Sachbuch liegt aus aktuellem Anlass auf der 68er Bewegung mit dem gleichnamigen Werk des Politikwissenschaftlers Wolfgang Kraushaar sowie mit Gretchen Dutschkes „1968: Worauf wir stolz sein dürfen“. Der Wissenschaftsjournalist und TV-Moderator Harald Lesch rückt die brisante Frage nach den Folgen des Klimawandels in den Fokus und präsentiert sein neues Buch „Wenn nicht jetzt, wann dann? Handeln für eine Welt, in der wir leben wollen“. Zu den Angeboten im Bereich der Belletristik gehören Adolf Muschgs Roman „Heimkehr nach Fukushima“, Amelie Frieds „Paradies“ und Almudena Grandes aktuelles Buch „Kleine Helden“, die Geschichte eines Madrider Viertels in Zeiten der Globalisierung und Wirtschaftskrise. Auch für Krimi- und Thriller-Fans sind attraktive Veranstaltungen dabei: Tatort-Schauspieler Miro Nemec präsentiert sein neues Buch „Kroatisches Roulette“, und Erfolgsautor Jo Nesbø kommt mit „Macbeth. Blut wird mit Blut bezahlt“. Im Ausstellungsbereich der Münchner Bücherschau im Gasteig finden tägliche Bayern 2-Diwan-Gespräche mit ausgewählten Autorinnen und Autoren des Literaturfests statt.

Neben dem Abendprogramm bietet die Münchner Bücherschau ein umfangreiches, von Edith Offermann zusammengestelltes Angebot für Kinder- und Jugendliche. Jonathan Stroud liest aus „Lockwood & Co. – Das Grauenvolle Grab“ und gibt Tipps, wie man zum Geisterjäger wird. Publikumslieblinge Margit Auer und Timo Parvela begeistern mit ihren neuen Abenteuern. Kirsten Boie stellt ihren Titel „Ein Sommer in Sommerby“ vor, Schauspieler Max von Thun sein erstes Bilderbuch „Der Sternenmann“. Premiere feiert dieses Jahr das Literarische Jugendquartett – von Jugendlichen für Jugendliche.

Im Rahmen des Literaturfests München finden zwei Preisverleihungen statt: Der Geschwister-Scholl-Preis wird am 19. November und der Preis für einen Bayerischen Kleinverlag am 30. November vergeben. Mehr unter http://www.literaturfest-muenchen.de/

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