Das neue MIA.-Album: Interview mit Andy Penn

MIA. ist mit ihrem neuen Album “Biste Mode” auf Deutschlandtour. Am 7. Oktober 2015 steht das Backstage in München auf dem Tourplan der Berliner Electro-Pop-Band. Wir baten Gitarrist Andy Penn zum Interview und sprachen mit dem MIA.-Gründungsmitglied über das neue Album “Biste Mode”, Berlin, die Teilnahme von Frontfrau Mietze Katz bei der RTL-Show DSDS 2014 und den ersten Münchnen-Gig der Band im Atomic Cafe.

KIB: „Biste Mode“ ist ein typisches MIA.-Album. Was unterscheidet das Werk von seinen Vorgängern?

Andy: Uns war klar, dass wir ein tanzbares Album machen wollten. Wir haben viel aufgenommen und diskutiert, mehr denn je. Über die Jahre haben wir eine starke Freundschaft entwickelt, die diese Diskussionen erst ermöglichte. Unser Ansatz war dabei „wir kriegen raus, was uns verbindet“. Dies haben wir konsequent umgesetzt, ohne dass wir gleich den erst besten Kompromiss eingegangen sind. Das war für uns als Band ein wichtiger Schritt nach vorne, denn wir wollten eine Platte machen, mit der sich alle Bandmitglieder identifizieren können.

KIB: Für das Album habt Ihr nach 17 Jahren zum ersten Mal einen Veröffentlichungstermin verschieben müssen. Wie geht man als Band damit um?

Andy: Wir haben beschlossen, dass wir das Album verschieben, weil wir gesagt haben: „Hey, da ist noch nicht alles gesagt. Textlich, als auch musikalisch“. Das war eine ungewohnte und neue Erfahrung für uns, die wir so noch nicht erlebt haben. Als dann unsere Fans auf Facebook gefragt haben, wann denn nun das neue Album erscheint, haben wir uns dazu entschlossen mit den vorhandenen Songs auf Tour zu gehen. Das war die richtige Entscheidung und eine super Erfahrung. Das erste Konzert der Tour fand in Dresden statt. Wir wussten, keiner im Publikum kannte die neuen Songs und trotzdem passierte da was, die Leute gingen ab und tanzten.

KIB: Bei „Biste Mode“ berlinert Mieze zum ersten Mal in einem Song. Wie kann man diesen Ausdruck am besten ins Hochdeutsche übersetzen?

Andy: „Biste Mode“ könnte man mit „jemanden auf dem Kieker haben“ beschreiben, wobei das genauso berlinerisch ist wie „biste Mode“. Tatsächlich geht es bei der Formulierung darum, seinem Gegenüber in ironischer Weise mitzuteilen, dass er unter „erhöhter Beobachtung“ steht.

Unser Drummer Gunnar hat im Proberaum dazu eine nette Anekdote erzählt. Als Kind warf er im Kindergarten mit Sand und seine Erzieherin ermahnte ihn daraufhin mit den Worten: „Ey Gunnar, sei jetzt ganz vorsichtig, bei mir biste Mode.“ Zudem hat der Titel für Nicht-Berliner eine gewisse Doppeldeutigkeit, indem sie einen Bezug zur Mode herstellen. Ist man „in“? Ist man angesagt? Der Begriff Mode hat manchmal eine negative Konnotation.

KIB: Den Song kann man als Liebeserklärung an die Berliner Kneipen- und Clubkultur interpretieren. Ist es das ein wehmütiger Rückblick auf die gute alte Zeit?

Andy: Zum einen hat der Song dieses romantische Angebot: „Wenn du ein Problem hast, dann komm zu mir“. Zum anderen hat der Song für mich persönlich eine weitere Bedeutung, da ich immer das vermeintliche Clubsterben im Hinterkopf hatte. In Berlin Mitte gab es z.B. eine kleine Kneipe, die hieß „Altberlin“ und die war echt richtig, richtig alt. Angeblich haben Brecht und Tarantino da schon getrunken. Bis das Lokal vor eineinhalb Jahren schließen musste, war ich mit meinen Kumpels öfters da. Der Barmann, der eigentlich aus Frankfurt kam, hat uns immer wieder sein Versprechen geben: „Zu mir kann´ste immer wieder kommen“. Auch wenn anhand der Situation klar war, dass es die Kneipe nicht mehr ewig geben wird, wurde dieses Versprechen immer wieder erneuert. Im Sinne von: „Ich will für dich da sein, egal, ob es schwer ist oder nicht. Ob es auch wirklich klappt, das kann ich gar nicht garantieren“. Für mich steckt in dieser Geste die ultimative Romantik. Für Mieze gilt genau das Gleiche. Sie geht auf die Bühne und gibt den  Leuten das aufrichtige Versprechen, dass man gut aufgehoben ist und dass wir da sind, dass wir gemeinsam eine gute Zeit haben. Von daher hast Du Recht, es ist auch ein wehmütiger Aspekt dabei. Interessant finde ich auch, dass das Video dieses Barfeeling hat und Mieze berlinert, ohne direkt auf Berlin einzugehen. Ich meine das Wort „Berlin“ wird nicht einmal erwähnt, trotzdem ist es für uns die ultimative Berlin-Nummer.

KIB: Der Song „Nein! Nein! Nein!“ ist nach eurer Aussage die lustige Antwort auf die ständige Kritik die Ihr in eurer Bandgeschichte ertragen musstet. Warum ist Humor die beste Antwort auf ständige oder unberechtigte Kritik?

Andy: Bei dem Song „Nein!, Nein!, Nein!“ hat zum größten Teil Gunnar den Text und die Musik geschrieben. Es geht dabei um die Art und Weise, wie Kritik vorgebracht wird. Er hat sich dabei selbst reflektiert, als er sich erwischt hat, wie er zu seinen Kindern gesagt hat: „Nein! Nein! Nein!“ Schließlich kam die Idee zum Video auf, in der der Humor eine große Rolle spielt.

Generell muss man sagen, jeder kann sowieso sagen was er will. Jeder darf seine Kritik äußern. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass jemand an uns irgendetwas kritisiert hätte, das wir nicht schon intern diskutiert haben.
Zum Beispiel wurde beanstandet, dass Mieze bei DSDS war. Ein Thema über das wir im Vorfeld gesprochen haben. Es war nicht so, dass wir dachten: Ach, das ist total unproblematisch. Mieze wollte rauskriegen, wie funktioniert so eine Fernsehsendung. Und ich finde das ist nichts, was man jemandem vorwerfen kann. Oft fragen Leute: „Warum war Mieze denn nicht bei der anderen Sendung?“ DSDS ist aber genau das richtige Format, um hinter die Kulissen einer solchen Sendung zu blicken. Außerdem glaube ich, dass alle Casting-Sendungen sehr ähnlich sind, nur die Verpackungen sind unterschiedlich. Genau das sind die Punkte über die wir im Vorfeld diskutiert haben, bis wir festgestellt haben, dass es eigentlich für uns als Band keinen Unterschied macht, ob ein Mitglied bei so einer Sendung mit macht oder nicht.  Es ist eine persönliche Entscheidung und es ist wichtig, dass jeder Einzelne seinen individuellen Projekten nachgehen kann. Dadurch haben wir begriffen, man muss los lassen können und aufhören Kritik zu „zerdenken“.

 

KIB: Ihr habt bei dem Song „Schick mich“ mit Felix Räuber von Polarkreis 18 und bei dem Track „Geld“ mit Tangowerk zusammen gearbeitet. Wie kam es dazu?

Andy: Bei „Schick mich“ hat Mietze einen Text geschrieben, indem es um eine Art Dreiecksbeziehung geht, die aber nur durch zwei Leute erzählt wird. Wir dachten, das wäre eine super Sache, wenn der Song als Duett eingesungen wird. Wir kennen die Polarkreis Jungs schon eine Weile und Mieze kennt den Felix noch wesentlich länger. Sie hat ihm „Schick mich“ vorgespielt und er fand die Duett-Idee toll.

Tangowerk ist das Projekt von unserem Produzenten (Anm. der Redaktion:  Nhoah Hoena-Jansen). Mieze und unser Bassist Bob hatten schon auf dem ersten Tangowerk-Album mitgewirkt. Zu einer Zeit, als das Album noch komplett in Arbeit war, mussten wir mal was zum Thema Geld absondern. Jetzt nach der aktuellen Griechenland Thematik, kann man das erneut hinterfragen. Alles wird globalisiert. Geld wird globalisiert, Menschen nicht. Wie wichtig ist Geld? Das ist die Frage, mit der man sich auseinander setzt, die polarisiert und Kritik hervorruft.

KIB: Freut Ihr Euch auf das Konzert am 7. Oktober im Backstage?

Andy: Wir haben noch nie im Backstage gespielt, aber wir freuen uns sehr auf München, weil wir in München schon immer sehr geile Konzerte hatten. Ich kann mich noch gut an die allererste Tour erinnern. Wir haben zu einem Zeitpunkt im Atomic Café gespielt, als die erste Platte wirklich gerade mal so draußen war. Und dann fährt man nach München, und die Stadt ist ca. 800 km weit weg von Berlin, und da sind Leute, die finden das geil, was man macht.